Leitfaden zur partizipativen Erarbeitung eines Konzepts für eine nikotinfreie Schule

Entschädigung: 900 CHF

Mithilfe dieses Leitfadens kann die Schulleitung oder eine beauftragte Person innerhalb der dreimonatigen Pilotphase ein Konzept für eine nikotinfreie Schule erstellen. Der Prozess ist in fünf Phasen unterteilt, die durch 13 Leitfragen strukturiert werden: (I) Organisation, (II) Ziele, Ressourcen und Analyse, (III) Kommunikation und Delegation, (IV) Ziele und Massnahmenplanung sowie (V) Ausblick auf die Umsetzung und Verankerung.

Ziel

Dieser Leitfaden unterstützt Schulen dabei, das Konzept für eine nikotinfreie Schule systematisch und partizipativ zu erarbeiten, damit es idealerweise von allen getragen wird. Partizipation bedeutet Mitbestimmung, Mitgestaltung und Verantwortung im Schulalltag übernehmen dürfen. Sie stärkt Selbstwirksamkeit und macht Veränderungen glaubwürdig.

Dieses Konzept soll dazu beitragen, eine Schulkultur zu etablieren, in der Nichtrauchen zur sozialen Norm wird, und Prävention durch Mitgestaltung lebt. Es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, das gesundheitsfördernd wirkt, Verantwortung stärkt und junge Menschen in ihrer Entwicklung unterstützt. Die Schule soll ein Ort sein, an dem: Gesundheit aktiv gefördert wird, Verhaltensänderungen unterstützt werden, Vorbildfunktionen gestärkt werden und gemeinsame Werte wie Respekt, Verantwortung und Fürsorge gelebt werden.

In dieser Phase geht es noch nicht um die operative Umsetzung der Massnahmen, sondern um die strategische Planung. Das zu erstellende Konzeptpapier bildet das Fundament für eine erfolgreiche Implementierung, die idealerweise im nächsten Schuljahr startet.

Entschädigung

Die Erarbeitung des Konzeptes wird in der Pilotphase mit CHF 900 entschädigt. Um die Entschädigung zu erhalten, füllen Sie bitte bis Ende Mai 2026 das Formular «Selbstdeklaration für eine Schule» aus. Es ist möglich, dass wir Sie bitten werden, uns das Konzept als Dokumentation einzureichen.

Ablauf

Das Ziel dieser Phase ist ein handlungsorientiertes Konzept, das als Fahrplan für das nächste Schuljahr dienen kann. Die folgenden Fragen führen Sie durch den Erarbeitungsprozess. Sie müssen in dieser frühen Phase noch nicht bis ins letzte Detail ausdiskutiert sein, jedoch sollten die strategischen Weichen gestellt werden.

Phase 1: Organisation

  1. Stakeholder-Analyse: Wer soll grundsätzlich am Prozess der Konzepterarbeitung beteiligt werden?
  • Mögliche Stakeholder: Schulleitung, Lehrpersonen, Hausdienst, Schulsozialarbeit, schulpsychologischer Dienst, Elternrat, Schüler:innenschaft, Jugendarbeit, Vertretende aus externen Fachstellen...
  • Welche Stakeholder können / werden in welcher Form und auf welcher Partizipationsstufe mitwirken.
  1. Projektteam (Kernteam): Wer gehört zum operativen Team, welches das Konzept erarbeitet?
  • Stellen Sie eine arbeitsfähige Gruppe zusammen.
  • Empfehlung: Eine repräsentative Gruppe (z. B. Schulleitung, SSA, mindestens eine Lehrperson, Hausdienst, Schüler:innen-Vertretung) erhöht die Akzeptanz.
  1. Verantwortlichkeiten: Wer trägt die Hauptverantwortung für die Erarbeitung des Konzeptes (und später für die Umsetzung)?
  • Es muss eine klare Ansprechperson oder eine verantwortliche Stelle geben, die den Prozess steuert.

Phase II: Ziele, Ressourcen und Analyse

  1. Ziele: Was soll mit dem Konzept erreicht werden?

Es ist wichtig, klare Ziele und Teilziele festzulegen, sowie die Entscheidungsspielräume, Beteiligungsformate, und Zeitplan geklärt sind.

Beispiele:

  • Das gesamte Schulareal ist bis zum Ende des Schuljahrs 2026/27 frei von Nikotinprodukten (Zigaretten, Vapes, Nikotinbeutel).
  • Alle Schulakteur:innen kennen die Regeln zu Nikotinprodukten sowie die Konsequenzen bei Nichteinhaltung.
  • Die Haltung einer nikotinfreien Schule wird von allen Schulakteur:innen aktiv mitgetragen.
  1. Synergien, Anknüpfungspunkte: Kann das Konzept auf bestehenden Strukturen und Ressourcen aufbauen?
  • Beispiele: Bestehende Leitbilder, gesetzliche Vorgaben, Hausordnungen, Gremien, frühere Präventionsprojekte...
  • Reflexion: Was hat in der Vergangenheit funktioniert, was nicht? Inwiefern werden diese Erkenntnisse das zu erarbeitende Konzept beeinflussen?
  1. Aktuelle Situations- und Risikoanalyse: Wie wird die aktuelle Situation in Bezug auf Konsum, Haltung und Risikozeiten oder -orte erfasst?
  • In dieser Phase ist noch keine Datenerhebung erforderlich. Sie sollten sich jedoch bereits jetzt Gedanken darüber machen, wie ein realistisches Bild der Lage erfasst werden kann, da dies später für die Auswahl der Massnahmen relevant ist.
  • Möglicherweise sind Orte und/oder Zeiten, in denen das Risiko für Nikotinkonsum erhöht ist, schon bekannt (z.B. Toiletten, versteckte Winkel auf dem Pausenplatz, Garderoben). Auf jeden Fall sollte dies für die Situationsanalyse mitgedacht werden.
  • Beispiele: Anonyme Umfragen (bei SuS und Personal), qualitative Interviews, Fokusgruppen oder Beobachtungen. Eine mögliche Schüler:innen Umfrage wurde für das Projekt «Free. Fair. Future. Schule» erarbeitet und steht Ihnen hier zur Verfügung.

Phase III: Kommunikation und Delegation

  1. Kommunikation während der Erarbeitung: Wann und wie werden die erweiterten Kreise informiert?
  • Transparenz schafft Vertrauen. Planen Sie, wie das gesamte Kollegium, die Eltern und alle Schüler:innen über den Stand der Konzepterarbeitung auf dem Laufenden gehalten werden und wie deren Anliegen in das Konzept einfliessen können.
  1. Partizipative Einbindung: Besteht die Möglichkeit, Aufgaben partizipativ zu delegieren?
  • Partizipation erhöht die Identifikation mit einer nikotinfreien Schule. Die Beteiligung der Lernenden und der Lehr- und Fachpersonen entlastet zudem das operative Team.
  • Beispiele: Die Schüler:innen entwerfen Kommunikationsideen (z. B. Plakate, Slogans oder Social-Media-Posts); eine Arbeitsgruppe "Gesundheit" gestaltet Pausenangebote (z. B. Verleih von Spielgeräten, Einrichtung einer Chill-out-Lounge, Musik-Events oder eine "Gesunde Znüni"-Bar)...

Phase IV: Ziele und Massnahmenplanung

  1. Messbare Ziele definieren: Welche überprüfbaren Ziele werden festgelegt?

Formulieren Sie, wenn möglich, bereits im Konzept Ziele, deren Erreichung überprüft werden kann.

Beispiele:

  • Verankerung der angepassten Schulregeln in der Schulordnung bis zum Datum X.
  • Mindestens 90% der Schüler:innen wissen, dass Nikotinprodukte wie Vapes und Zigaretten auf dem Schulgelände verboten sind.
  • Wahrnehmbare Reduktion von Konsumrückständen (z. B. weniger Zigarettenstummel auf dem Boden oder im Abfall).
  • Steigende Akzeptanz des Verbots bei Befragungen.
  1. Umsetzungsplan: Welche konkreten Schritte sollen realisiert werden?
  • Skizzieren Sie die Handlungsfelder für die spätere Umsetzung.
  • Beispielhafter Ablauf:

    (1) Information über den Start des partizipativen Prozesses und Bekanntmachung der Verantwortlichkeiten.

    (2) Vorbereitung und Durchführung einer Umfrage mit Lehrpersonen und Jugendlichen.

    (3) Analyse der Ergebnisse und partizipative Festlegung von ein bis drei Zielen.

    (4) Sicherstellung, dass diese Ziele von allen Stakeholdern getragen werden.

    (5) Partizipative Bestimmung von möglichen Massnahmen.

    (6) Umsetzung der Massnahmen

    (7) Einholen von Feedback (Umfrage)

    (8) Lernen aus den Erfahrungen: Weiterführen, was sich bewährt hat, Erfolge sichtbar machen und ändern, was nicht funktioniert hat.

Phase V: Ausblick auf Umsetzung und Verankerung

  1. Startschuss der Umsetzung: Wann soll die Umsetzung beginnen und wie wird sie kommuniziert?
  • Auch wenn die Umsetzung nicht Teil dieses 3-Monats-Mandats ist, sollte der Startpunkt definiert sein.
  • Ideen für die Kommunikation: Website, Schulversammlung, Elternbrief, Social Media.
  1. Feedbackkultur und Qualitätssicherung: Wie wird sichergestellt, dass Anliegen auch während der Umsetzung gehört werden?
  • Stellen Sie sicher, dass der partizipative Prozess die nötigen Zeitgefässe hat, und die Stakeholder auch wirklich partizipieren können.
  • Planen Sie genügend Zeit ein, die Ergebnisse der Partizipation zu sichern und die nächsten Schritte mit diesen Inputs zu planen.
  • Planen Sie Kommunikationsinstrumente ein, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen.
  • Ideen: Kurzbefragungen, Feedbackboxen, Traktandum in Klassensitzungen...
  1. Sichtbarkeit von Erfolgen: Wie werden Erfolge gewürdigt?
  • Positive Verstärkung motiviert zum Dranbleiben.
  • Ideen: Auszeichnung als "Nikotinfreie Schule", Ausstellungen von Arbeiten der Lernenden, Berichte in der Lokalpresse oder auf der Website, Feiern von Etappenzielen (z. B. "Die Schule ist seit 100 Tage nikotinfrei")...

Literatur

Methodensammlung zur Partizipation: Anleitungen für die einfache Umsetzung in Schulen, Gemeinden und weiteren interessierten Institutionen

Kontakt

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Sie erreichen uns über die Kontaktseite.